In der Finanzbranche werden immer kritischere Stimmen zum Geschäft mit Mittelstandsanleihen laut, die vor einiger Zeit bekanntlich auch in der Getränkebranche - u.a. Stauder (7,5 %), Berentzen (6,5 %), Underberg (7,125 %) Valensina (7,35 %) und Karlsberg (7,375 %) - begeben wurden. Wie FAZ.net aktuell berichtet, üben Analysten der DZ Bank Kritik nicht nur an Rating-Agenturen, die die Anleihen im Vorfeld bewertet hatten - "Bonitätsnoten der Mittelstandsagenturen" stellten "bislang nur bedingt eine Orientierung für den Investor dar". Die Analysten werden auch damit zitiert, es dränge sich der Eindruck auf, dass die Namensgebung „Mittelstand“ eine höhere Bonität des Segments suggeriere, als sich dies im Nachhinein zeige. Viel mehr handele es sich um ein Hochzinsanleihensegment mit mittelständischem Charakter. „Investoren sollte klar sein, dass diese Anleihen überwiegend spekulativen Charakter haben.“
Der Analyst Heinz Steffen beklagte gegenüber FAZ.net auch "fragwürdige Anleihekonstrukte" u.a. bei der Brauerei Karlsberg GmbH (die auch eine Anleihe begeben hatte). Die Brauerei führe den Gewinn an eine Holding ab, für die aber kein Abschluss vorgelegt werde; Risiken, so Steffen, seinen für die Gläubiger "nicht erkennbar".
Die Unternehmensberatung Capmarcon gibt dem Markt laut FAZ.net in seiner „jetzigen Struktur und aktuellen Usancen“ keine Chance mehr. Die ursprüngliche Idee habe sich selbst ad absurdum geführt. „Statt Mittelständlern zusätzliche Kapitalquellen zu erschließen, mutierten die neuen Börsensegmente zu letzten Zufluchtsorten (stark) kreditrationierter Unternehmen“, heißt es.


