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Allersheim: Investor aus Bad Arolsen

Showdown in Holzminden: Bei der zuletzt in schwere Corona-Verwehungen geratenen Brauerei Allersheim geht ein neuer Investor an Bord. Zuvor hatte die Radeberger Gruppe den Weg freigemacht.

Anfang der 70er Jahre hatte die Dortmunder Actien-Brauerei 37,04 % der Anteile an der Holzmindener Brauerei Allersheim übernommen – das Ziel der Aktion ist heute nicht mehr ganz klar. Allerdings unkten INSIDER schlichte 33 Jahre später, die strategische Anziehungskraft der niedersächsischen Regionalbrauerei sei aus Sicht der Radeberger Gruppe „überschaubar. Ein Ausbau der Radeberger-Beteiligung, die übrigen Anteile liegen fest in Holzmindener Familienhänden, gilt als höchst unwahrscheinlich. (INSIDE 432) – eine präzise Prophezeihung, denn so kam es auch. Bis 2020 steckte Oetker so gut wie gar nichts in die Brauerei, die zerrieben von Hasseröder-Aktionen im Kerngebiet, verändertem Kaufverhalten und zuletzt von der Corona-Krise von ehedem 100.000 auf nur noch 60.000 hl Bier abrauchte. 

INSIDER schätzen, dass Allersheim 2020 rund 10% Absatz und wegen des hohen Fassbieranteils mindestens das Doppelte an Umsatz verlor. Mit ihrer Zweitmarke Gutsherren Pils dreht Allersheim mittlerweile die Hälfte des Gesamtabsatzes, auch über eine WGH-Kooperation. Die Wertschöpfung hält sich dabei in Grenzen. Schon 2019 schloss die Brauerei laut Bundesanzeiger mit einem Jahresfehlbetrag von rund 550.000 Euro ab. Letztes Jahr übertrug Radeberger Anteile zurück an die Brauerei, mittlerweile ist auch klar, warum: Der Hotelier Alexander Fitz aus dem 75 km entfernten Bad Arolsen übernimmt mehrheitlich (51%).

Strippenzieher M. Hollmann

Damit es rückwirkend per 1.1. 2021 soweit kommen konnte, mussten einige Altgesellschafter überredet werden, ihrerseits Anteile abzutreten. Überzeugungsgarbeit leisteten dabei der neue Investor selbst, aber auch der 2014 (als Gf zurück-) geholte Dirk Brüninghaus und Fitz‘ Berater Michael Hollmann. Der Chef und Mitinhaber der Privatbrauerei Bolten, früher auch mal Brau & Brunnen-Vorstand, rührt als Berater immer wieder gerne in verschiednenen Töpfen (u.a Flaschenpool-Genossenschaft MPB). In Holzminden sitzt Hollmann laut INSIDERN im neuen Verwaltungsrat, der an diesem Mittwoch (nach Redaktionsschluss) erstmals zusammentrat. Hollmann als Fitz-Vertreter, daneben Mitgesellschafter Dr. Dieter Scheidemann und Karl-Hans Schaxs für die übrigen Eigner . 

Nun erhofft man sich in Holzminden, dass mit Fitz Investitionen u.a. in eine neue Bügelverschlussanlage und in neue Gebinde fließen. Die Kriegskasse des Hoteliers ist auch in Krisenzeiten offenbar gut gefüllt. Die von Fitz geführte H-Hotels AG bzw. die Hospitality Alliance AG betreibt unter sechs Marken über 60 Hotels in Deutschland und in der Schweiz (Hyperion, H4 Hotels, H2 Hotels, H+ Hotels, H.omes und H.ostels). Zuletzt hatte sich Fitz allerdings darüber beklagt, dass er im Zuge der Novemberhilfen nur 10.000 Euro für 60 Hotels bekommen hätte - „Das hätten sie sich auch sparen können“. Sitz der international vertretenen Gruppe (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist Fitz‘ Heimatort Bad Arolsen in Hessen.

Dort hatte Fitz vor zwei Jahren das 2013 von den Vorgesellschaftern Andreas und Dirk Brühne geschlossene Hofbrauhaus Arolsen, die ehedem drittälteste Brauerei Deutschlands, übernommen – mit dem Versprechen, eine neue Brauerei mit bis zu 30.000 hl Kapazität zu bauen (INSIDE 838). Schon seinerzeit saß Bolten-Bräu Hollmann, 61, als Berater mit im Boot, zudem dessen früherer Brau & Brunnen Techniker, Dr. Edgar Groneick. Seit der Schließung 2013 werden die maximal 4.000 hl Arolser Biere (Pils, Alt Waldecker Dunkel) und Limonaden (Caluna) fremdgebraut und abgefüllt. In Holzminden. Von Allersheim.

Der Neubau in Arolsen kam noch nicht in Gang (offiziell wegen Corona). Mit dem Einstieg in Holzminden könnten sich die Vorzeichen für ein neues Hofbrauhaus Arolsen verschlechtert haben. Was tatsächlich von der lauthals geplanten 30.000 hl-Anlage am Ende übrig bleibt, weiß derzeit nur Fitz selber.     

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