Erdinger-Gf Josef Westermeier hat in einem vielbeachteten Interview mit t-online auf die Drucksituation der Brauereien hingewiesen. Die Preise für Bier seien zu niedrig: "1990 habe ich bei Erdinger angefangen, damals hat die Kiste Weißbier 24 D-Mark gekostet. Heute kostet sie immer noch ungefähr genau so viel, in Euro umgerechnet. Franziskaner verscherbelt die Kiste Weißbier für 10 Euro, da geht es nur um Wertevernichtung. Schuhe, Autos und so weiter sind heutzutage viel teurer. Nur Lebensmittel und Bier kosten nahezu das Gleiche, sie sind viel zu günstig".
Die Kiste Weißbier könne theoretisch "drei bis vier Euro" teuerer werden, sagte Westermeier in dem am gestrigen Vater- bzw. Herrentag veröffentlichtem Interview. "Ein Kasten Bier müsste eigentlich schon lange 30 Euro kosten, wenn sich die Preise wie in anderen Branchen entwickelt hätten. Nur dann hätte die Branche eine solide Zukunft, dann könnte sie investieren und sich fortentwickeln."
Westermeier warnt vor drastischen Folgen: "Wenn der Handel und die Kunden nicht verstehen, dass Bier auch etwas wert ist, wird es einen radikalen Umbruch in der Branche geben. Am Ende werden viele Biermarken nicht überleben."
Die drohende Kontingentierung träfe auch Erdinger. Zwar könnte die (im vergangenen Jahr auf 1,4 Mio hl zurückgefallene) Brauerei im "Notfall zwei Drittel der Kapazitäten mit Heizöl betreiben". Müsse aber dennoch "radikal abwägen, was wir noch produzieren können und was nicht." Westermeier: "Fassbier wäre am wenigsten gefährdet, das ist am wenigsten energieintensiv. Überspitzt ausgedrückt: Wir bräuchten eine Weißbier-Triage, eine Priorisierung bei den Absatzwegen."
Erstmals öffentliche Aussage zur Zukunft
Und dann gab Westermeier noch erstmals einen Ausblick zur langfristigen Zukunft des Unternehmens und den Plänen von Inhaber Werner Brombach, 82:
"Werner Brombach hat den Nachlass im Sinne der Mitarbeiter und der Stadt geregelt. Er will das Unternehmen als Versprechen an die Menschen und die Stadt Erding absichern. Wir wollen sicherstellen, dass Erding eine Bierstadt bleibt. Was genau geregelt ist, erzählen wir dann zu gegebener Zeit. Herr Brombach hat das Ruder fest in der Hand und erfreut sich bester Gesundheit. Das wird hoffentlich noch lange so bleiben."


