Noch steht Bier auf keiner Sanktionsliste. Doch aufgrund des gestoppten Zahlungsverkehrs und der unterbrochenen Logistik wurde der Export nach Russland de facto beendet. Die Frage, ob Brauer aus politischen Gründen auf Geschäft mit Russland verzichten sollten, ist nurmehr eine theoretische.
Russland hinterlässt in der Absatzbilanz eine tiefe Lücke. Das Riesenreich galt bis letzten Monat als der vielversprechendste Markt. Laut Statistischem Bundesamt zog Russland 2021 mit 1,99 Mio hl an China vorbei auf Rang zwei der Exportmärkte (hinter Italien). Schwacher Trost: Durch das von Moskau verordnete Track & Trace-System Chestny Znak(INSIDE 894) wäre das Geschäft ohnehin komplizierter geworden.
Viele deutsche Brauer müssen jetzt Hoffnung und Hektos auf unbestimmt abschreiben. Für einige ist das Loch besonders groß. Am schwersten ist die Oettinger Braugruppe getroffen, die die Produktion der Handelsmarke Euro-Tour für die Getränkemarktkette Krasnoe & Beloe unlängst ausbaute. Auch Karolinger und 7.0 werden von Oettinger hergestellt, einschließlich vieler anderer Marken verkaufte Oettinger fast 500.000 hl nach Russland.
Genauso viel verliert der AB Inbev-Standort München, der (inkl. Beck‘s und Löwenbräu) über 400.000 hl für Russland produzierte. Dahinter folgt Paulaner (inkl. Wolpertinger, T&T und Hacker) mit über 250.000 hl, sowie TCB (u.a. Feldschlößchen).
Zahlen des russischen Zolls, die INSIDE übermittelt bekam, ergeben folgendes deutsches ImportmarkenRanking für 2021:
1. Spaten 330.000 hl
2. Feldschlößchen (TCB) 200.000 hl
3. Paulaner 170.000 hl
4. Euro Tour 150.000 hl
5. Karolinger 100.000 hl
6. Franziskaner 60.000 hl
7. Beck‘s 55.000 hl
8. 7.0 50.000 hl

