An dem Geschäftsführer Gastronomie und Marketing der Paulaner Gruppe ging über Jahrzehnte kein Weg vorbei. Andreas Steinfatt wurde in München auch als Conferencier von Oktoberfest und Starkbierprobe eine Institution. INSIDE beschrieb ihn als "Brauchstums-Haubitze" (INSIDE 702) - was man halt so sagt, wenn im Frotzeln viel Wertschätzung steckt. Die Rolle als Repräsentant ist dem gebürtigen Miesbacher so auf den Leib geschneidert, dass sich kaum einer vorstellen kann, dass in der Krachledernen auch ein veritabler Vertriebsmanager steckte. Sogar einer mit Handelshintergrund. Als er vor 28 Jahren zur Brauerei stieß (der Legende nach war der erste Kontakt auf der Wiesn geknüpft worden, wo Steinfatt als Kellner jobbte), durchlief er diverse LEH-Abteilungen. Zuletzt als Key Accounter, bevor er von Wolfgang Salewski 2001 als Chef der Vertriebseinheit Hacker-Pschorr auserkoren wurde.
Rückendeckung war ihm stets gewiss, u.a. von Hauptgesellschafterin Alexandra Schörghuber. Und so überlebte Steinfatt eine Vielzahl von Managern und CEOs, doch beim aktuellen, dem seit vier Monaten amtierenden CEO Jörg Biebernick, der von Thronfolger Florian Schörghuber an die Spitze der Brauerei gelotst wurde, ist alles anders. Steinfatt, den die Lokalpresse fälschlicherweise immer als "Paulaner-Chef" bezeichnete, ist plötzlich verzichtbar.
Der bisherige Pernod Ricard-Manager Thomas Drossé übernimmt bei Paulaner künftig Handel und Gastronomie. Für Steinfatt ist kein Platz mehr. Einmal noch wird er - offenbar als Teil der Abfindungsverhandlungen - am 28.2. die Starkbierprobe am Nockherberg moderieren. Tag darauf endet seine Paulaner-Karriere und der 55-Jährige zieht sich erstmal zu seiner Familie und zum Hotel seiner Frau in Kirchberg/Tirol zurück. Wie lange, weiß nur er. Wenn überhaupt.


