Einen Tag vor dem Anstich zum Oktoberfest wird die Paulaner Brauerei Gruppe durchgeschüttelt. Raphael Rauer, Geschäftsführer Vertrieb Handel und Export, steigt aus. Er hat gekündigt und wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Damit verliert die Brauerei und der zum Monatsanfang aus der Zigarettenbranche gekommene neue CEO Jörg Biebernick den wichtigsten Mitarbeiter.
Der frühere Diebels-Mann Raphael Rauer kam 2017 von AB Inbev zu Paulaner. In München stieg er nach dem Rausschmiss von CEO Roland Tobiasnur ein Jahr später in die Geschäftsführung auf. Als Gf Handel und Ausland verantwortet er heute einen Großteil des Volumens der Braugruppe.
Soeben wurden die Mitarbeiter über den Schritt informiert. Weil Rauer viele frühere AB Inbev-Kollegen nach München nachgezogen hatte, dürfte die Entscheidung mancherorts zu Nervösität führen. Altgediente reagieren mit Achselzucken: Zur Wiesn dreht sich mal wieder das Teufelsrad.
Mit Rauer verliert die Organisation auch ein Korrektiv für die hohen Ambitionen der Gesellschafter. Florian Schörghuber und sein Co-CEO „100-Mio-Euro-Nico“ Nusmeier verlangen für die inkl. AfG und Kulmbacher Brauerei AG gut 8 Mio hl große Gruppe eine Verdopplung des Gewinns. 2022 waren es 50 Mio Euro, aufgrund der Kostenexplosion ist die Entwicklung 2023 rückläufig. Biebernick soll das EBIT-Wunder nun umsetzen.
Rauers Entscheidung zur Kündigung muss freilich schon vor Biebernicks Antritt gefallen sein. Rauer, so heißt es in seinem Umfeld, hat einen Job bei einem Unternehmen aus der Getränkebranche in der Tasche.

