Deutschlands größter Getränkehersteller kämpft mit erheblichen Lieferschwierigkeiten. Nicht zum ersten Mal. Die Kundschaft reagiert genervt. Zum Mehrweg-Engpass kommt jetzt auch noch Ärger um gefälschte Ware.
Die Inauguration findet in Rotterdam statt. Am 1. Juni, dem Tag, an dem er Frank Molthan als CEO der deutschen Coca-Cola Europacific Partners CCEP ablöst, wird John Galvin beim „Top-Partners-Club“ zu den Größen des GFGH sprechen. Auf allzu viel Applaus darf er nicht hoffen, der GFGH ist genervt. Das traditionell nicht einfache Verhältnis zwischen Getränkefachgroßhandel und seinem wichtigsten Lieferanten Coca-Cola wird (lange vor der Hochsaison) von Lieferschwierigkeiten überschattet.
Besonders das Gastro-Gebinde 0,2-Liter Glas ist kaum verfügbar. CCEP erklärt das mit dem Ausfall einer ukrainischen Glasfabrik, durch das Aufschalten neuer Glashersteller solle „in drei Monaten“ ausreichend Neuglas herbeigeschafft sein. Doch bei Fachgroßhändlern, die im letzten Jahr und auch vor Corona schon Coke-Engpässe erlebten, verfängt diese Begründung kaum. Die Schwierigkeiten, so analysiert ein norddeutscher Verleger, fußten auch auf Logistikproblemen, Ware könne von den Abfüllstandorten nicht zu den Ausliefer- bzw. Abholpunkten gefahren werden: „Die haben die Rote Flotte aufgelöst und kommen jetzt mit der schmalen Belegschaft nicht klar.“ Die Mitarbeiterzahl der unverändert 35 Mio hl großen Deutschland-Einheit wurde in den letzten zehn Jahren von 11.500 auf bald nur noch 6.000 fast halbiert.
Puffer powered by Coke
Anlass zu dauerhaften Diskussionen liefert der Umstand, dass manche GFGHs oder auch mal C&C-Märkte Ware bekommen, andere nicht. Gastronomen reagieren mit Unverständnis, wenn ihr Lieferant kein Coke liefern kann, der Wettbewerber aber schon. Und bei Streckenkunden müssen Bestellvorgänge aufwändig umgangen werden, um alternative Artikel zu Coke – Sinalco, Fritz und Afri oder Pepsi – liefern zu können. Wie INSIDER wissen, hat die CCEP bei strategischen Kunden sogar selbst mitgeholfen, sogenannte Pufferlager einzurichten, um etwaige Nachschub-Schwierigkeiten überbrücken zu können.
Doch auch bei PET-Einweg gibt es derzeit Schwierigkeiten. Allerdings ganz andere. Letzten Freitag informierte Coca-Cola seine Händler über gefälschte Produkte. Im Ausland gefüllte 0,5-Liter Einweg-Flaschen mit Coca-Cola, Zero und Sprite seien aufgetaucht. Mit gefälschten Etiketten inkl. DPG-Logo. Die CCEP geht „von einem deutschlandweiten Phänomen“ aus, nachdem die falschen Flaschen „an mehreren Orten in Deutschland gefunden worden“ seien.
Für Verkaufsstellen wie Kioske, Tankstellen oder Bäckereien, die über keinen Rücknahmeautomat verfügen, ergibt sich ein heikles Problem. 25 Cent Pfand, mancherorts mehr als die Marge, sind futsch. Denn die CCEP weist in ihrem Kundenschreiben darauf hin, dass „im Falle der händischen Rücknahme oder über ein manuelles Sammelsack-System das zurücknehmende Unternehmen den Schaden“ zu tragen habe. Nur bei über Rücknahmeautomaten zurückgegebenen Flaschen gehe „das Clearing und damit der Schaden zu Lasten von Coca-Cola“.
Die in einem Nachbarland (womöglich von einer Schwestergesellschaft) gefüllten Pullen würden sich laut CCEP Deutschland durch einige Merkmale unterscheiden: „Die gefälschten Produkte haben die Kennzeichnung ,UZ‘ am Flaschenhals. Die Produkte von Coca-Cola in Deutschland haben die Kennzeichnung ,L‘. Zudem sind die Sprite-Flaschen mit den gefälschten Etiketten grün. In Deutschland wird Sprite von Coca-Cola in transparenten Flaschen verkauft.“
Die Galvin Administration
In Rotterdam wird Galvin also erst mal viel über die Gegenwart sprechen müssen, bevor er seine neue Administration vorstellt. Galvin, der in Deutschland studiert und acht Jahre für Diageo/Guinness gearbeitet hat, kam 2019 (von Coca-Cola Pakistan) als Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer nach Berlin. Nun klettert er auf den Vorsitz und bastelt sich sein Team. Ein Trio soll ihn unterstützen. Florian von Salzen, vor zwei Jahren vom Außer-Haus-Chef zum Direktor Key Account Handel umgemodelt, rückt jetzt zum Vice President Key Account auf. Sowohl für Handel, als auch Außer-Haus und Kantinen-Geschäft.
Von Salzens früherer Vorgänger Thomas Kohlmorgen, seit zwei Jahren Direktor Feldmannschaft, erhält ebenfalls den Rang eines Vice Presidents und bekommt jetzt auch wieder die Ressorts Sales Operations und Costumer Service, wo er sich u.a. mit den Beschwerden wegen der Lieferausfälle befassen darf.
Ganz raus ist nach 15 Jahren CCEP Marketing-Chef Kussai El-Chichakli. Dem hatte Galvin schon vor zwei Jahren Arne Koslowski als Abteilungsleiter ins Ressort geschickt. Nun übernimmt Koslowski, der Mann „mit Sinn für Mitarbeiter-Schwächen“ (INSIDE 844), den Posten von El-Chichakli komplett.

