Nach der erstaunlich schnellen Freigabe des Rewe-Einstiegs bei Trinks (INSIDE-Hot Shot vom 12.2.) durch das Bundeskartellamt werden die Karten in der Getränkelogistik neu gemischt. Trinks-Wettbewerber versuchen ihre Umsätze abzusichern, Rewe-Wettbewerber forcieren den Aus- und Aufbau eigener Strukturen: Bei möglicherweise Verhandlungswilligen geben sich Kaufinteressenten die Klinke in die Hand.
„Sechs Kandidaten“ würden sich derzeit um ihn bemühen, sagt Gerhard Kaufmann, der geschäftsführende Hauptgesellschafter der Winkels Getränke Logistik GmbH & Holding KG. Einen Verkauf des Unternehmens streben der 73-Jährige und seine Tochter Denise Kaufmann, 41, weiterhin nicht an, doch man müsse reden. Über Allianzen. Niemand wisse, wie der Markt in drei bis fünf Jahren aussieht.
Kaufmann, der „Großmogul zu Baden-Württemberg“ (INSIDE 635), verfügt über eine starke Position. Sein inkl. Mineralbrunnen rund 400 Mio Euro Umsatz großes Gebilde ist im Südwesten eine absolute Logistikmacht. Flächen sind rar, der Personalmarkt im Ländle abgegrast: Den Aufbau eines eigenen Standortes haben sowohl Trinks als auch die DGL als nicht machbar abgehakt. Auf der Landkarte der deutschen Mehrweglogistik gibt es nur wenige Regionen, in denen Streckenverleger über eine ähnliche Monopolstellung verfügen. Im Ruhrgebiet vielleicht die DGL oder Ziegler-Ottensoos in Nordbayern. Mit dem Rewe/Trinks-Deal ist ihre strategische Bedeutung weiter gestiegen.
Der Lebensmitteleinzelhandel sorgt sich um seine Warenversorgung, schnitzt an eigenen Lösungen und ist bereit, viel Geld zu investieren. Laut INSIDERN will die Rewe bis zu 120 Mio Euro in Trinks stecken. Lager-Robotik und Sortiertechnik für viele Standorte sowie eine beschleunigte Digitalisierung sind in Planung. Geld in die Hand nimmt auch die Edeka, nach Hessenring, Südwest und Rhein-Ruhr investiert nun auch Südbayern (über 180 Mio Euro) in eigene Mehrweglogistik. Weitere Edeka-Regionen werden folgen.
Kaufland will ein Faustpfand
Der Trinks-Schock hat auch die Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) zu einer Überprüfung ihrer Mehrwegstrategie bewogen. Sie wollen eine Mehrweglogistik aufbauen. Nicht unbedingt, um tatsächlich alle Kaufland-Märkte national zu beglücken. Doch die Schwarz-Gruppe möchte laut INSIDERN unbedingt ein Faustpfand, um z.B. die Rewe in einer Region abzustrafen, falls andernorts Trinks nicht ordentlich die Kaufland-Strecke bedient. Neben Winkels soll Schwarz deshalb auch Standorte von Splendid Drinks ins Auge fassen (vgl. INSIDE 940). In Günter Thiels gut besuchter Interessenten-Lounge war vor dem Trinks-Deal auch die Rewe gesichtet worden. Doch auch sie hätte sich nur ein paar Rosinen aus dem Splendid-Konglomerat herausgepickt.
Bei Trinks reibt sich indessen manch Altgedienter verdutzt die Augen: Über Jahre hinweg hungerte sie der Einzelhandel mit niedrigen Margen aus. Jetzt ist das ausgemergelte Geschäft plötzlich strategisch wertvoll und wird mit Millionen-Investments aufgepäppelt.
Aus eigener Kraft aber, so schwant es vielen Streckenverlegern, sind die erforderlichen Investitionen in Digitalisierung und automatische Sortiertechnik kaum zu stemmen. Die Margen bleiben dünn. Die Versuche, die Effizienz zu steigern, indem Kunden auf einige Randartikel verzichten oder sich auf variable Lieferslots der Logistiker einlassen, werden meistens abgeschmettert. Bei eigenen Strukturen des LEH hingegen, z.B. bei Edeka-Rhein-Ruhr oder Edeka-Kempf, werden Effizienz-Maßgaben knallhart umgesetzt. Hier werden auch Ordersätze angepasst, während die freien GFGHs riesige Sortimente vorhalten müssen. Winkels-Chef Gerhard Kaufmann konstatiert: „Mit der Hälfte unserer insgesamt 5.500 Artikel machen wir nur 1% des Umsatzes.“ Auch da könnten neue Stakeholder andere Saiten aufziehen. Irgendwann.
Denn noch hat sich der Winkels-Chef nicht entschieden. Ein Verkauf stehe derzeit nicht an, betont Kaufmann in einer Mail an die Mitarbeiter Anfang der Woche. Es sei sein Ziel, das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen.
Artikel aus INSIDE 941

