Das Biergeschäft in Russland nimmt für die großen Brauer langsam Züge eines Überlebenskampfes an. Nach internationalen Berichten hat AB Inbev jetzt angekündigt, seine Brauerei im ostsibirischen Angarsk, 5000 Kilometer von Moskau entfernt, zu schließen. Grund wie zuvor in anderen Fällen auch: die Steuerpolitik des russischen Staates, der damit und mit anderen Restriktionen den Alkoholkonsum im eigenen Land unter Kontrolle bekommen will. AB Inbev schließt damit binnen weniger Jahre schon die vierte Braustätte in Russland. Wegen "dramatischer Veränderungen" auf dem russischen Biermarkt hatte AB Inbev 2012 die Braustätte in Kursk aufgegeben, 2013 die Brauerei Novocheboksarsk in Chuvashia. 2014 folgte dann das Ende von Perm.
Auch die russische Carlsberg-Tochter Baltika hat diese Woche die Produktion in einer Braustätte eingestellt. Die 4,2 Mio hl große Chelyabinsk, im Osten des Ural-Gebirges gelegen, gehörte bisher zu den zehn Baltika-Brauereien in Russland.
Die AB Inbev-Brauerei in Angarsk war erst 2009 - nach einer mehrjährigen Planungs- und Bauphase - offiziell eröffnet worden; SUN Inbev Russia hatte geschätzt 150 Mio Euro in den Neubau investiert, der auf eine Kapazität von 1,8 Mio hl taxiert wurde. TunÇ Cerrahoğlu, seinerzeit Chef von SUN Inbev, erging sich zur Eröffnung noch in Lobeshymnen: Der Neubau werde die wirtschaftliche Situation der gesamten Region ankurbeln. Jetzt, nur wenige Jahre später, sagte Andrey Gubka, AB InBevs Russland- und Ukraine-Chef, man müsse dem Abwärtstrend auf dem russischen Biermarkt Tribut zollen und mit der Schließung der Brauerei die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Der russische Biermarkt hat in den vergangenen fünf Jahren 25 % Volumen verloren, 8,5 % allein im vergangenen Jahr und nach vorläufigen Zahlen rund 7 % im ersten Halbjahr 2014.


