Die seit 1.1.2023 in deutschen Restaurants, Bistros, Cafés und Co. geltende Mehrwegangebotspflicht sorgt in den ersten Tagen für Verunsicherung und Ärger. Der thüringische Dehoga-Landesgeschäftsführer Dirk Ellinger sagte der dpa: "Wir haben extrem viele Anfragen dazu bekommen." Zwar seien Gastwirte grundsätzlich offen für die Neuerung und gegen Müllberge, Fragen gebe es aber zum Geltungsbereich der Regelung, Hygieneaspekten und möglichen Haftungsfragen. Bisher sind zudem etliche verschiedene Mehrweganbieter (Vytal, Relevo, Recup, etc.) mit unterschiedlich hohen Pfandsätzen am Markt, was bei Kunden zu Verwirrung führt. Ellinger meint: "Am Ende wird das eine Frage der Akzeptanz bei den Verbrauchern sein."
Viola Wohlgemuth von der Umweltorganisation Greenpeace nimmt im Deutschlandfunk dagegen die Gastronomen in die Pflicht: "Wir sehen eine klassische Verzögerungstaktik, um der Verantwortung nicht gerecht zu werden." Die Anbieter täten vielfach so als seien sie mit der Umsetzung überfordert, dabei fehle es eher am Willen. Trotz 770 Mio To-Go-Verpackungen in Deutschland pro Tag, die im Müll landen, gibt es laut Wohlgemuth ein "Verantwortungsbewusstseinsproblem". Kein Land habe mehr Erfahrung mit Mehrweg als Deutschland, zudem sei das Inkrafttreten der neuen Regelung seit zwei Jahren bekannt gewesen. Wohlgemuth fordert von der Politik ein poolfähiges, einheitliches System im ganzen Land statt einem "Flickenteppich".
Von dem neuen Gesetz ausgenommen sind nur Betriebe, in denen höchstens fünf Beschäftigte arbeiten und die gleichzeitig eine Ladenfläche von nicht mehr als 80 Quadratmetern haben. Diese müssen Kunden aber ermöglichen, eigene Mehrwegbehälter mitzubringen und befüllen zu lassen. Dasselbe Produkt darf in der Mehrwegverpackung nicht teurer sein als in der Einwegverpackung.

