Gerade mal drei Monate war Michel Doukeris an der Spitze von AB Inbev, als im Oktober 2021 erste Gerüchte (via US-Nachrichenportal Bloomberg) aufkamen, der Brasilianer wolle das 510 Mio hl große Bier-Portfolio des Konzerns schärfen. Im Fokus dabei: Die Deutschland-Unit. Um den Verkauf einzelner Marken auszuloten, sollen damals extra Berater engagiert worden sein.
Anschließend wurde es allerdings um das Thema still. Es schien zunächst so, als sollte Deutschland-Chef Michel Pepa recht behalten. Er hatte kurz bevor die Gerüchte über den großen Teich schwappten, einen Verkauf von deutschen Standorten kategorisch ausgeschlossen. Im Hintergrund ließ Doukeris aber wohl weiter an der Portfolio-Straffung stricken. Wie INSIDE erfahren hat, wurden zuletzt mehrere deutsche Wettbewerber kontaktiert. Nicht von AB Inbev selbst, sondern von einer Private Equity Gesellschaft. Der Plan von Doukeris könnte es sein, um die deutschen Marken eine Schleife zu binden und das Paket an einen potenten Käufer zu übergeben, der dann seinerseits nach Weiterverwendern sucht. Auch die Entnahme einzelner Teile aus dem Paket sei möglich, sickerte aus beteiligten Kreisen durch (siehe aktuelle INSIDE Printausgabe 897).
Doukeris, Jahrgang 1973, seit 26 Jahren im Konzern, weiß, wo die dicken Dollar-Scheine vom Himmel fallen: In Amerika. Nord-, Mittel- und Südamerika zusammen machten vergangenes Jahr 38,3 Mrd. US-Dollar Umsatz. Das sind fast drei Viertel des weltweiten Umsatzes (54,3 Mio US-Dollar). Doukeris selbst war vor seiner Inthronisierung zum CEO dreieinhalb Jahre Chef von Nordamerika, der profitabelsten Region von AB Inbev. Im vergangenen Jahr stieg dort der Umsatz um 3,3% auf 16,3 Mrd. US-Dollar. Auf die EMEA-Region entfallen nur rund 15% (8 Mrd. US-Dollar) des Gesamtumsatzes. Wenngleich das Wachstum dabei bei 18% lag, kam dieses nur in geringem Umfang von den deutschen Marken.

