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Kopf der Woche: Martin Gilbert

Wenn Martin Gilbert, 61, in der Getränkebranche hierzulande bisher eher kein Thema war, lag das an der Verschwiegenheit des Geschäfts und des Geldes, dem er vorsteht. 1983 gründete er zusammen mit Anderen im Anschluss an ein MBO die bis heute in Aberdeen ansässige Aberdeen Asset Management, den inzwischen – bei einem Jahresumsatz von zuletzt 1,32 Mrd britische Pfund (aktuell 1,57 Mrd Euro) – zweitgrößten Fondsmanager Europas. Gilbert ist immer noch als CEO an Bord.

 

Diese Woche stand Gilbert plötzlich doch in der Öffentlichkeit – und nicht nur die weltweiten Aktienmärkte verfolgten mit Erstaunen, wie Aberdeen Asset, mit gerade mal 0,64 % dennoch zwölftgrößter Anteilseigner von SAB Miller, dem großen Brau-Player AB Inbev die Stirn bot. Der Hintergrund: AB Inbev hatte soeben die Offerte zur Übernahme von SAB Miller um 1 Pfund/Aktie auf jetzt 45 Pfund erhöht – um Währungsverluste des britischen Pfundes nach der Brexit-Entscheidung auszugleichen. Nun war aber Gilbert mit Aberdeen in der Klemme: Vor dem Brexit – und damit bei einem Angebot von noch 44 Pfund/Aktie – lag das Angebot noch rund 40% über dem letzten Aktienkurs von SAB Miller. Alternativ konnten die Aktionäre ein seinerzeit ein Mischangebot aus Barabfindung und Aktien von AB InBev wählen, das aber in Summe unter der Barabfindung lag. Diese Option war bisher überwiegend für die zwei Großaktionäre (Altria, Bevco) interessant, die dadurch Steuern sparen können und denen ein Sitz im Aufsichtsrat von AB Inbev winkt.  

 

Nach dem Brexit-Votum der Briten und der anschließenden Abwertung des britischen Pfunds war das kombinierte Angebot aber Anfang dieser Woche plötzlich 51,14 britische Pfund wert – ziemlich viel mehr als das Barangebot von 45 Pfund, auf das sich u.a. auch Aberdeen seinerzeit eingelassen hatte. AB Inbev, heißt es, will sein Angebot nicht nochmal erhöhen. Weil nun Gilbert/Aberdeen und einige kleinere Hedgefonds das AB Inbev-Angebot jetzt torpedieren (und damit die gesamte Fusion gefährden), hat SAB Miller-CEO Alan Clark laut einem Bloomberg-Bericht seinen Mitarbeitern erstmal Funkpause verordnet. Keine Telefonkonferenzen mehr, keine Treffen, keine Verhandlungen.

 

Mit einem alten Haudegen aus Aberdeen wird Alan Clark in diesen Tagen aber ziemlich viel telefonieren.


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