Dass sie Angst vor großen Namen hat, kann man Lisa Rödig nicht vorwerfen: Am Mittwoch moderierte die resolute Projektleiterin am Ökopol Institut für Ökologie und Politik eine Runde mit so ziemlich allen Verbänden der Getränkewirtschaft und gab der Mehrwegfraktion eins auf die Ohren: Man möge doch bitte "komplizierte Wahrheiten aushalten". Beispiel: Der Zugang zu bestehenden (Mehrweg-)Pools sei für einige Marktteilnehmer nicht möglich oder "ökonomisch nicht abbildbar", "Alleingänge" (Individualgebinde) und "deren Würdigung" sollten vermieden werden.
Für die Mehrwegbranche, die im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) von Ökopol zusammengetrommelt worden war, um Optimierungspotenziale bei Mehrwegsystemen zu eruieren, eine ungeahnt freche Ansage. Rödig, studierte Maschinenbauerin, stellte klar, dass man bei Ökopol (welches dem UBA und damit einer neuen Bundesregierung zuarbeitet) die Erwartungen um den Heiligen Gral Mehrweg nicht 1:1 zu übernehmen gedenkt. Danach kamen die Eckpunkte auf den Tisch, die Ökopol aus vorangegangenen "Praxisdialogen" mit der Getränkewirtschaft gezogen hat: Erstens eine (schon länger diskutierte) Abgabe/Steuer auf Einweggetränkeverpackungen. Zweitens: Eine verpflichtende Mehrweg-Quote für den Handel, also auch für den Discount.
Dass sich die Begeisterung darüber bei der Mehrweg-Lobby stark in Grenzen hält, ließ sich auch daran ablesen, dass sich fast nur Einweglobbyisten bei der anschließenden Diskussion zu Wort meldeten - und auch diese nur zu regulatorischen Details einer Entwicklung, die unaufhaltsam scheint. In Österreich machen Aldi und Lidl mittlerweile vor, wie Mehrweg geht. Hierzulande nimmt das eben erst entfachte Feuer ordentlich Luft auf; am Ende könnte der Discount auch hierzulande Mehrweg einlisten müssen. Viel schneller als gedacht. Oder von manchen befürchtet.


