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Kopf der Woche: Jürgen Trittin

2002 wetterte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) über die "zunehmende Wucht", mit der Einwegflaschen auf den Markt drängten. Was dann geschah, ist bekannt, wird aber je nach politischer Wetterlage unterschiedlich interpretiert: Am 1. Januar 2003 kam das Einweg-Pfand. Dieses war schon 2001, in der 2.Verpackungsverordnung, angedroht worden für den Fall, dass die seinerzeitige Mehrwegquote von 72 % unterschritten würde. Inzwischen - im Jahr 2016 - gilt noch immer eine gesetzliche Mehrwegquote (incl. "ökologisch vorteilhafte Verpackungen") von 80 % - erreicht wird sie aber nur noch mühsam beim Bier. Mineralwasser und Erfrischungsgetränke sind auf einen Mehrweganteil von teilweise unter 40 % abgestürzt, auch beschleunigt von Coca-Colas sukzessivem Ausstieg aus dem Mehrweg-System. Wie hätte sich der Markt ohne Einwegpfand entwickelt? Ist eine Mehrwegquote ein zahnloser Tiger, wenn sie nicht per Zwangsmaßnahmen durchgesetzt werden kann?

Dass der frühere Quälgeist Jürgen Trittin es nach so langer Zeit zum "Kopf der Woche"  schafft, ist seinem kürzlichen Auftritt gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und der Stiftung Initiative Mehrweg geschuldet. Zehn Jahre nach Inkrafttreten der neuen Pfandregelung (und dem Ende der unseligen Insellösungen) steht das aktuelle Bundesumweltministerium davor, die Mehrweg-Quote in dem Entwurf für das neue Wertstoffgesetz ganz zu streichen! Die Einweglobby sekundiert und applaudiert; der deutsche Getränkefachhandel stöhnt. Da wird Trittin urplötzlich zur Lichtgestalt einer verloschenen Zeit - mit seinen (erneuten) Forderungen nach einer durchsetzbaren Mehrwegquote, nach einer klaren Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg und nach einer "Lenkungsabgabe" (also sowas wie einer Strafsteuer) in Höhe von mindestens 20 Cent für Einwegverpackungen. Von Trittins aktueller Nachfolgerin im Amt, Barbara Hendricks (SPD), kam schon mal eine Absage: Eine solche  Abgabe sei nun wirklich "unverhältnismäßig".

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30.07.2026

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