Beim Handelsblatt haben sie dieser Tage rumgerechnet und John Brock, den alten Konzern-Haudegen, seinem Alter (67) entsprechend am "Ende seiner Karriere" verortet. Angesichts des Karrieresprungs, den Brock gerade hinlegt, ist das ziemlich sophisticated. Brock, aktuell noch Kopf der Coca-Cola Enterprises (CCE), wird aller Voraussicht nach mit der Verschmelzung der drei Bottler CCE, Coca-Cola Iberian Partners (CCIP) und Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG (CCEAG) zum Chef einer rund 11,5 Mrd Euro Umsatz großen neuen westeuropäischen Super-Einheit - der Coca Cola European Partners (CCEP).
INSIDER haben Brock spätestens ab dem Moment begleitet, in dem der langjährige Cadbury-Schweppes-Manager 2002 den bis dahin waltenden Interbrew-Vorstandchef Hugo Powell ablöste. In Deutschland hinterließ Brock weitere teure Duftmarken: 2003 kaufte er für 700 Mio Euro Spaten/Franziskaner/Löwenbräu, zuvor hatten schon der Erwerb von Beck & Co (für 1,8 Mrd Euro) und der Gilde (für 570 Mio Euro) für zwischen Anerkennung und Irrsinn schwankendes Kopfschütteln beim Wettbewerb gesorgt. 2003 dann das Ende der zügellosen Einkaufstour und die Verkündung des neuen Interbrew-Evangeliums, wieder durch Brock: Konzentration auf Synergien, Überprüfung von Zukäufen hinsichtlich Strategie und Werthaltigkeit. Und: "Wir werden uns stärker um die Menschen kümmern" und "in talentierte Leute investieren".
Wie das auf Konzernebene aussieht, erfuhr Brock, der Käufer und Sanierer (in seiner Amtszeit mussten u.a. Wolters und Mauritius/Zwickau dran glauben), Ende 2015. Scheinbar auf dem Höhepunkt seiner Macht in dem fusionierten Inbev-Konzern wurde er vom Ambev-Management kalt entmachtet und musste dem neuen CEO Carlos Brito weichen. Im April 2006 startete Brock bei Coca-Cola Enterprises durch. Und ließ auch da keine Zweifel daran, dass er als harter Kostensanierer den Wert der Coke-Aktien in die Höhe zu treiben gedachte. Seit Wochen hatte Brock Fusionsgerüchte um die CCE mit der Ansage befeuert, den Aktionären noch viel Freude bereiten zu wollen - mit was und welchen Aktionen auch immer. Jetzt ist klar, was er damit gemeint hat.


