Der deutschen Bierindustrie weht der Wind ins Gesicht. Per Ende August weist die Statistik ein Minus von 4% aus. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen jetzt schon 2,5 Mio Hektoliter. Zugleich drückt der Lebensmitteleinzelhandel, der Bier als Frequenzbringer zu Tiefpreisen verhämmert, auf die Margen. Die Industrie möge die rückläufigen Kosten doch bitte weiterreichen (ungeachtet der Tatsache, dass die Brauereien von Kostensenkungen bisher noch nicht so viel mitbekommen haben).
In dieser Gemengelage prescht nun Guido Mockel nach vorn. Der 51-jährige Chef der Radeberger Gruppe kündigt zum 1. Februar 2024 keine Preissenkung, sondern eine Erhöhung an. Die Kosten für Lohn, Logistik und Maut würden schließlich noch weiter steigen. Damit setzt der Marktführer ein klares Signal. Die Wettbewerber goutieren es - wie immer in solchen Fällen - mit tiefempfundener Hochachtung und in freudiger Erwartung etwaiger Absatzverschiebungen. Für Mockel aber, der offenbar auch den langfristigen Wert seiner Marken im Blick hat, ist der Schritt alternativlos.
Die zu erwarteten Kämpfe mit dem Einzelhandel dürften den Routinier nicht überraschen. Mockel, der im April 2020, genau zu Beginn der Pandemie, an die Spitze der Radeberger Gruppe rückte, kennt das Geschäft von der Pike auf. Als Key-Accounter sprach er schon vor 20 Jahren (für Jever) mit dem LEH-Einkauf.


