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Oettinger: Analyse zum Absatz 2021

Verlustreiches Schleudertrauma: Schon in der ersten Jahreshälfte 2021 zeichnete sich bei der noch immer monströsen Oettinger Braugruppe mit ihren vier Standorten ab, dass das zarte Minus von 1,5% im Krisenjahr 2020 besser nicht zu größerem Optimismus Anlass geben sollte. Doch auch bei den -4,5% per Ende Juni 2021 blieb es nicht. So sehr Pia Kollmars Truppe (insbesondere Gf Peter Böck) auch die Vertriebsmaschine anwarf – mit einem fetten Minus von gesamt 6,7% verlor die Marke allein im Inland fast 300.000 hl, hübsch verteilt auf die Hauptsorten Pils und Export. Wenigstens Hellbier, in unseren Zahlen unter die „übrigen Sorten“ versteckt, konnte im Inland für die Marke mit einem Plus von 7 % Impulse setzen. Dank einiger Zuwächse im Export (+5%) – unter dem Mitte des Jahres geholten Ex-Paulaner-Mann Marduk Mader – sollte es für die Marke im In- und Ausland für zusammen -3% gereicht haben. So rutscht Oettinger mit der Marke erstmals seit Ewigkeiten knapp unter die Grenze von vier Mio hl (laut Nielsen ist sie davon allerdings schon seit Jahren weit entfernt).

Unter massivem Kostendruck bei Rohstoffen, Energie und Personal kann sich Oettinger dem Aktionswahnsinn bei LEH und Discount nicht entziehen. Auch weil es von Seiten der Brauerei immer heißt, Aktionen wie dieser Tage bei Kaufland (der Kasten Oettinger Pils, Export, Alkoholfrei oder Radler für 4,80 Euro) seien nicht finanziert und geplant, warten INSIDER längst auf eine neue Preiserhöhungsrunde. Das Thema ist intern wie extern vermintes Gelände. Seit der letzten echten Preiserhöhung (um 15%) in 2018, die krachend in die Hosen ging (Oettinger flogen seinerzeit die Absätze zweistellig weg), traut sich keiner ans Eingemachte. Gutes Zureden allein verpufft in den LEH-Zentralen nach den Erfahrungen der Branche derzeit ungehört wie ein im Urwald gepfiffenes Helene Fischer-Lied. Auch von den im August (INSIDE 883) von INSIDERN verorteten Preiserhöhungswünschen für 5.0 ist allem Anschein nach noch nichts im Handel angekommen.   

Übergroßen Optimismus schöpft daraus aktuell wohl keiner, auch wenn die aus der Not digitalen Feierlichkeiten zu 30 Jahren Standort Gotha angesichts der besonderen Historie immerhin unfallfrei absolviert wurden. „Wir liefern unser Bier von hier aus in die ganze Welt“, ließ sich Oettinger-Chefin Pia Kollmar seinerzeit zitieren.

Da liegt viel Wahrheit drin. Die Westmarke ist im Osten der Republik ungefähr so sexy wie der Ost-Komiker Olaf Schubert im Westen; strategische Bedeutung für das Inland hat Gotha damit seit dem Tod von Dirk Kollmar und dem Rausverkauf seiner Witwe Astrid immer weniger. Bzw. auch: gar nicht mehr.

Artikel aus INSIDE 893

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