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Der MBG-Babo auf Sendung

Kein Unternehmen der Getränkebranche nutzt Social Media so intensiv wie MBG aus Paderborn. Getrieben vom rastlosen CEO Andreas Herb, der sich selbst inzwischen eine sechsstellige Anzahl von Followern aufgebaut hat. Dabei will der 53-Jährige nicht nur möglichst fresh und erfolgreich wirken. Sondern auch Konsumenten, Kunden und Personal anlocken.

Trends zu erkennen, ist Teil der DNA. Schon als Andreas Herb und sein 50-%-Partner Peter Jürgens vor 30 Jahren mit Miller Brands anfingen, versuchten sie mit ihren Marken und Neueinführungen vor die Welle zu kommen Oder zumindest rechtzeitig mit dabei zu sein (aufgrund seiner Leidenschaft für gut gelungene Kopien, trug Herb lange den Spitznamen „Der Chinese“). Das Duo um den eher introvertierten Jürgens, der sich um Verwaltung, Produktion und Finanzen kümmerte, und den rastlos durch den Markt tigernden Vertriebsmenschen Herb hat die MBG Gruppe inzwischen laut Eigenaussage auf 240 Mio Euro Umsatz gehievt.

Die Mischung aus günstiger Produktion, Top-Markenauftritt und hoher Manpower im Vertrieb (mit Schwerpunkt auf Convenience und Gastro) hat Marken wie Dos Mas Shots, die Wein- und Prosecco-Linie Scavi & Ray, Effect Energy, den Biermix Salitos, den Wodka Three Sixty (an Schwarze & Schlichte verkauft) und dessen Wiedergänger Nine Miles,  die Filler-Linie Goldberg, Acqua Morelli und zuletzt Henderson Snacks oder (während Corona) Dr. Grimm Wiegand‘s Hygiene hervorgebracht. Natürlich gab es immer auch Flops. Doch bis heute vergeht kaum eine Woche, in der Andreas Herb sein streng auf ihn zugeschnittenes junges Team (viele langjährige Mitarbeiter sind in den letzten Jahren von Bord gegangen)  nicht mit Ideen für ein neues Produkt behelligt. Immer auf der Suche nach dem neuesten Trend.

Kaum verwunderlich also, dass der Digital-Migrant Herb schon vor neun  Jahren mit einem ersten Bild aus dem Skiurlaub einen Instagram-Account eröffnete. Zu einem Zeitpunkt, als die Plattform noch ein reines US-Phänomen war und gerade erst zum Konzern von Facebook gehörte, wo seinerseits die Social Media Musik noch ganz alleine spielte. Später wurden aus den Bildern Reels (kleine Filmchen), in denen sich Herb beim Tanzen in bunten Anzügen verlustierte und flotte Sprüche vom Stapel ließ (wobei er sich vor allem über die Influencer ausließ, aus seiner Sicht „Kackbratzen“, die nix Produktives zu Stande bringen). Schwung kam erst während der Corona-Pandemie auf. Dann ging Herb auch mit einem TikTok-Account an den Start. Und die Inszenierung wurde professioneller.

MBG hat Social Media als Tool für Marketing und Vertrieb erkannt. Außendienstler und Kunden erhalten per WhatsApp alle Neuigkeiten aus den Markenwelten. Mit über 20.000 Gastro- und GFGH-Kunden sowie 10.000 Mitarbeitern von Einzelhändlern kommuniziert MBG über WhatsApp direkt. Line-Extensions, Events, Merchandising-Material, Aufsteller, Displays, Gastromöbel werden mit aufwendig produzierten Clips angepriesen. Und in Erklärvideos rühmen KI-generierte Bar-Keeper die floralen Noten der MBG-Spirituosen. Das wachsende Social Media-Team filmt und schneidet jetzt auch die Posts des Großen MBG-Meisters Herb.

Die Followerzahlen kletterten, auch weil MBG seit 2020 im Marketing auf Kooperationen mit Deutsch-Rappern wie ApacheKMN-Gang oder Montez, aber auch Kackbratzen Influencer wie Ron Bielecki oder Christos setzt. Der glamouröse Lifestyle der jungen Stars, Luxus, Blingbling, schnelle Autos,  passt zu den MBG-Marken. Und Herb, Jahrgang 1970, spielt mit, inszeniert seine Arbeitstage als erfolgreicher, durchgestylter CEO.

Aus Herb wurde der MBG-Babo, der mit Privatfliegern zwischen Dubai, Mallorca und Paderborn pendelt  und am Steuer von sündteuren Sportwägen oder am Schreibtisch über die neuesten Produktkreationen entscheidet. Botschaft: Es läuft bei ihm. Und bei MBG. Damit füttert der 53-Jährige nicht nur sein Ego. Er füttert auch die Firma. Allein bei Instagram erreicht er mit seiner Teilzeittätigkeit als MBG-Influencer im Monat 1 Mio Konten, in Mediawert umgerechnet ca. 50.000 Euro. Und die Personalabteilung meldet einen deutlichen Zuwachs an Bewerbungen. Auch wenn sich Herbs Sendungsbewusstein gelegentlich auch in politisch unkorrekten Posts niederschlägt, oder er bei Kununu Bewertungen von scheidenden Mitarbeitern mit harten Kommentaren versieht. Authentisch ist er dabei allemal.

Er ist so etwas wie der Wolfgang Grupp von Paderborn. Der bekannteste Botschafter seiner eigenen Firma. Statt Schimpansen wie bei Grupps Trigema sprechen bei Herbs MBG die Influencer. Und am lautesten er selbst. Bei Instagram folgen ihm inzwischen 120.000 Menschen, bei TikTok sind es über 160.000, die sich die kurzen Videos über MBG und Herbs Leben zwischen Protz und Schreibtisch regelmäßig reinziehen.

 

Dieser Artikel erschien im Mai 2024 im Sonderheft INSIDE FUTURE 2024

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