Knallharte Entscheidung von Cees 't Hart. Wie der Carlsberg-CEO soeben bekanntgab, wird sich der dänische Braukonzern komplett von seinem Russland-Geschäft und der Tochter Baltika trennen. Ursprünglich ( laut Verlautbarung vom 9. März) wollte Carlsberg lediglich "„neue Investitionen in Russland sowie Exporte von anderen Unternehmen der Carlsberg- Gruppe an Baltika Breweries einstellen“. Angekündigt wurde aber auch eine generelle Überprüfung des Geschäfts. Die hat jetzt stattgefunden.
Die Ankündigung ist nahezu wortgleich mit der ebenfalls heute von Heineken veröffentlichten: "Auf der Grundlage dieser Überprüfung haben wir die schwierige und sofortige Entscheidung getroffen, eine vollständige Veräußerung unseres Geschäfts in Russland anzustreben", meldet t'Hart. "Anschließend werden wir keine Präsenz mehr in Russland haben." Die Tochter Baltika und alle Exporte sollen nicht mehr in die Bilanz des Konzerns einbezogen werden. Carlsberg schreibt Russland ab. Das im vergangenen Jahr 880 Mio Euro Umsatz und 90 Mio Euro Gewinn starke Geschäft soll verkauft und bis dahin buchhalterisch "als zur Veräußerung gehaltener Vermögenswert behandelt" werden.
Für Baltika, die zweitgrößte Brauereigruppe Russlands mit 8.400 Mitarbeitern, wird sich in der jetzigen Situation kaum ein Käufer finden lassen, auch eine Verstaatlichung erscheint möglich. Carlsberg gibt sich keinen Illusionen hin: "Das Geschäft wird zum beizulegenden Zeitwert neu bewertet, was zu einer erheblichen nicht zahlungswirksamen Wertminderung führen wird."
Bis zum Abschluss des Prozesses sollen die Geschäfte fortgeführt werden (ohne Importe und ohne zusätzliche Investitionen). Alle Gewinne, die in Russland erwirtschaftet werden, sollen an Hilfsorganisationen gespendet werden. "Unsere Gedanken", sagt 't Hart "sind bei den Menschen in der Ukraine". Die Geschäfte dort sind weitgehend runtergefahren. In Saporischschja, Lwiw und in der Hauptstadt Kyjiw unterhält Carlsberg drei Brauereien mit 1.300 Mitarbeitern.

