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Brauer fordern: Pfand rauf!

Etwa 230.000 Tonnen Material aus dem Mehrwegsystem werden laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung jährlich entsorgt. Weil die Rücktransporte bei massiv gestiegenen Energiepreisen immer teurer werden, hat sich die Lage nochmals verschärft. Der Anreiz, Kästen bei einem Pfand von 1,50 Euro durch Deutschland befördern zu lassen, hält sich bei einem auf etwa 1,30 Euro gestiegenen reinen Materialwert (die Kästen sind meist aus HD-PE-Kunststoff gefertigt) einer Bierkiste in Grenzen. Die Folge: Im GFGH wird laut INSIDERN zunehmend geschreddert. Das ist zwar illegal – aber es passiert. Gleichzeitig steigt der Einkaufspreis für Flaschen und Kästen massiv. Kostete eine Bierkiste vor eineinhalb Jahren noch sechs Euro, sind es laut INSIDERN heute acht Euro. Bei Bierflaschen kletterte der Preis von rund elf Cent auf jetzt 20 Cent und mehr.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des weiter steigenden Drucks auf die Branche (Inflation, drohende Gasknappheit, Corona-Nachwehen) werden die Stimmen einmal mehr lauter, endlich an der Pfandschraube zu drehen. Flaschen sind dabei wohl zunächst außen vor (die GeMeMa beharrt bisher ohnehin auf acht Cent pro Flasche), Priorität hat das Kistenpfand (bei dem einige kleinere Brauer, darunter Grosch aus dem fränkischen Rödental, auch jetzt schon ausscheren und teils deutlich mehr verlangen). Die Privaten Brauereien Deutschland plädieren bereits seit Jahren für eine flächendeckende Erhöhung des Pfandsatzes auf Kisten. Die Freien Brauer, die sich lange zurückhaltend geäußert hatten, ziehen jetzt mit, genauso wie Lothar Ebbertz stellvertretend für den Bayerischen Brauerbund (BBB). Er sagte jüngst dem BR: „Deutschland verfügt im Biermarkt über ein einzigartiges Mehrwegsystem. Aufgrund seiner ökologischen Vorteilhaftigkeit sollte alles daran gesetzt werden, es zu stabilisieren und dauerhaft zu sichern.“ Ein Anreiz, Leergut schneller zurückzubringen, sei dabei auch der Pfandsatz.  

Sebastian Priller-Riegele von der Augsburger Brauerei Riegele schrieb bereits Anfang des Jahres ans Umweltministerium und forderte – im Sinne eines funktionierenden Mehrwegsystems – eine Erhöhung des Pfandsatzes auf Kisten durch den Gesetzgeber von 1,50 auf fünf Euro. Antwort: Die Branche soll das Problem selbst lösen. Doch gelingt das?

INSIDER sehen das Vorhaben nur als realistisch, wenn große Brauer mit einem Marktanteil von insgesamt mindestens 30% mitziehen. Dafür gibt es derzeit allerdings keine Anzeichen. Ein weiterer Stolperstein ist die Umsetzung. Dirk Reinsberg als BV GFGH-Chef sieht bisher kein Modell auf dem Tisch, wie das Ganze technisch praktikabel funktionieren kann. Bei einer Umstellung per Stichtag, die zum Beispiel der Riegele-Chef favorisiert, sieht Reinsberg einmalige Verluste im dreistelligen Millionenbereich kommen (was bei rund 200 Mio Kästen im Umlauf realistisch sein dürfte) und stellt klar: Zahlen müssten das die Brauer selbst. Fraglich, ob es dazu kommt.

Die Forderung nach einer Pfanderhöhung droht also einmal mehr zum Rohrkrepierer zu werden. Eine Alternative wäre, bei der Markteinführung neuer Kisten gleich mit einem erhöhten Pfandsatz zu starten. So haben es zum Beispiel die Rhodius Mineralquellen vor zweieinhalb Jahren mit sechs Euro statt 3,30 Euro probiert (INSIDE 842) – und nur wenig später einen Rückzieher gemacht.

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