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Bollingers Plan B: Ungeschüttelt ungerührt

Der auf Gastronomie und Hotellerie fokussierte Vertreiber von Champagner und edlen Weinen, die Hawesko-Tochter CWD, kommt erstaunlich gut durchs Pandemiejahr.

Die Champagnereinfuhren sind um 20 bis 25% gesunken. Es leiden alle. Der November soll katastrophal sein. Angefangen vom uneingeschränkten Marktführer Moet Hennessy, der 50% seiner Flaschen im Lebensmittelhandel dreht, ist der Druck bei allen groß. Der Branchenprimus führt mit weitem Abstand und hat nun in der schwierigeren Zeit auch mehr zu verlieren, wenn Veranstaltungen wegfallen und Gastgewerbe dicht gemacht werden. Die großen Marken des Konzerns (Pommery, Moet) drehten dort zuletzt in etwa 500.000 Flaschen, Ruinart dürfte bei 300.000 Flaschen liegen. 

Alles fängt der Lebensmittelhandel nicht auf, auch aus einem besonderen Grund. Die kleineren Konkurrenten mit insgesamt gut eine Million Flaschen wie Laurent Perrier oder Roederer lassen ebenfalls Federn. Im Vergleich zum Branchenprimus können sie besser gegensteuern, bei Amazon & Co wie Roederer oder mit Sonderaufträgen wie Laurent Perrier. Die Verluste sind eher einstellig oder im unteren zweistelligen Bereich.

Umso erstaunlicher, dass die CWD, die sich Vor-Corona-Zeiten ganz auf Gastronomie und Hotellerie konzentrierte, auch 2020 „nicht mit einem Verlust abschließt“, wie Geschäftsführer Thomas Hänle sagt. Trotz geschlossener Hotels und Restaurants bleibt die Champagnermarke Bollinger ein Zugpferd. Für Bollinger, bekannt als Lieblingsgetränk des Agenten James Bond, gab es für 2020 noch unter gänzlich anderen Vorzeichen ganz große Pläne. Ein neuer James-Bond-Film sollte anlaufen. Optimismus war angesagt. Dann kam Corona. 

Strohhalme Online und Fachhandel

CWD reagierte flugs. „Wir haben Marken mit einer Story und die werden gebraucht bei den Onlinern“, sagt Hänle. Der Plan ging auf. Das Online-Geschäft wurde mit Wine-in-BlackPerbacco & Co ausgebaut und floriert offensichtlich. 

Auch wenn der neue James-Bond-Film nicht startete, funktionierte alles irgendwie doch. Hänle: „Ich hätte mich darüber auch ärgern können, dass der Film nicht anlief, sehe es aber positiv, umso länger bleibt es ein Thema.“ Gerade ist der für viele beste Bond, Sean Connery, gestorben. Auch das hilft Bollinger. Doch Online alleine ist nicht genug. Es brauchte mehr Absatzstätten. 

Die wurden bei etlichen guten, selbstständigen Einzelhändlern der Rewe wie auch der Edeka  gefunden. Bei Zurheide, Struve & Co läuft es gut. Dabei hatte Bollinger Glück im Unglück. Noch immer ist Moet Hennessy national mit Edeka überkreuz. Das Unglück des Branchenprimus wurde für den Kleinen zum Glück. Nicht in den Zentralen, aber eben bei den selbstständigen Einzelhändlern. Auch wenn deren Gänge in Corona-Zeiten für Zweit- und Drittplatzierungen wenig Raum lassen. 

Unbesehen vom funktionierenden Plan B freut sich Hänle auf die Zeit, wo Gastronomie und Hotellerie endlich wieder offen sind.

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