Handel und GFGH gaben der neuen Gaffel Wiess in der 0,33er Euro und hellblauen Kiste vom Start weg viel Fläche. Die Innovationskönige bei Gaffel erwarben sich Vorschusslorbeeren, als sie 2010 mit Gaffels Fassbrause einen Coup landeten (der sofort kopiert wurde). Das hauseigene Portfolio verbreitert die Brauerei seit Jahren auch mit Spirituosen, u.a. mit dem Kräuterlikör Mamma Nero, dem Bierbrand Papa Rhein und dem Johannisbeer-Likör Schwester Herz. Gaffel-Chef Heinrich Philipp Becker ruft als Ziel für sein Haus 30 % Absatzanteil mit jungen Produkten aus. Zugleich will er aber auch die Hauptmarke nicht schwächen.
Herr Becker, wie groß ist bei Gaffel zur Zeit der Anteil der nicht-alkoholischen Produkte im Portfolio? Und wird sich das in den kommenden fünf bis zehn Jahren verändern?
Heinrich Philipp Becker: Mit Gaffels Fassbrause und Gaffel frei haben wir alkoholfreie Produkte, die in unserem Portfolio eine gewichtige Rolle spielen. So können wir die Verwender auch außerhalb der klassischen Bierkonsumzeiten mit diesen Produkten begleiten und so neue Zielgruppen ansprechen. Trotzdem haben wir in den letzten Jahren Innovationen wie Gaffel Wiess oder Gaffel Lemon – allesamt nicht alkoholfrei – erfolgreich eingeführt. Bei neuen Produkten konzentrieren wir uns nicht auf den Alkoholgehalt, sondern orientieren uns am Markt, den wir hier im Rheinland besonders intensiv beobachten. Ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur ist es, Kreativität auf kurzen Entscheidungswegen in Form von Innovationen am Markt zu platzieren. Dabei lautet unsere Faustformel: 30 Prozent Absatzanteil mit Produkten, die nicht älter sind als 10 Jahre.
Rechnen Sie damit, dass Ihr Unternehmen eines Tages mit alkoholfreien mehr Umsatz als mit alkoholhaltigen Getränken erzielt? Falls ja: Wann wird das sein?
Becker: Alkoholfreie Produkte sind ein wichtiges Standbein, die unser Portfolio hervorragend ergänzen. Allerdings rechne ich nicht damit, dass wir mehrheitlich Produkte ohne Alkohol produzieren werden. Kölsch ist in der Region stark verwurzelt und verbunden mit dem Kölner Lebensgefühl. Die Sorte ist hier tief verankert und wird sich nicht verdrängen oder verwässern lassen. Der furiose Start von Wiess, dem Vorläufer des Kölsch, zeigt, dass Biere mit Köln-Bezug hervorragend funktionieren.
Können Sie sich vorstellen, in den kommenden zehn Jahren Getränke mit THC-haltigem Hanf zu produzieren?
Becker: Grundsätzlich sind wir offen für jegliche Trends rund ums Bier, aktuell haben wir jedoch andere Produkte im Fokus.
Worin sehen Sie derzeit die größte Herausforderung beim Thema Diversifikation?
Becker: Ein hohes Maß an Diversifikation führt im operativen Bereich zu komplexeren Produktionsprozessen. Diese können wir gut umsetzten, da wir in unserer neuen Brauerei alle Schritte der Wertschöpfungskette unter einem Dach kontrollieren. Wir haben so alles in unserer Hand. Eine weitere Herausforderung liegt darin, die Marke nicht zu verwässern. Wir achten darauf, dass mit einer stringenten Marken- und Portfoliostrategie, die Dachmarke Gaffel zusätzlich positiv aufgeladen wird.
Warum geht es nicht ohne Diversifikation?
Becker: Wir sehen aktuell, wie schnell sich Rahmenbedingungen verändern können. Dies gilt auch für den Markt, der konstant in Bewegung ist. Wir sehen uns als Gestalter von neuen Trends wie Fassbrause und Wiess. Auch wenn Kölsch eine starke Basis ist, werden wir weiterhin aktiv über die Erschließung neuer Zielgruppen nachdenken und die Marke mit innovativen Produkten modernisieren. Das gilt nicht nur für den Produktbereich, auch für Events und unser Gaffel am Dom.
Dieser Text erschien Ende Mai 2022 in unserem Sonderheft INSIDE FUTURE IF 2022 #1 - Das ganze Heft in der pdf lesen können Sie hier.


