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"Wir treiben die Klagewelle nicht voran"

Der von der Bundesregierung beschlossene Lockdown der Gastronomie im November lässt die Emotionen weiter hoch kochen - hinter den Kulissen allerdings hält der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga als größter Lobbyverband den Ball mittlerweile flach. "Wir treiben die Klagewelle nicht voran", sagte Dehoga-Gf Hessen, Julius Wagner, heute nachmittag in einer vom Deutschen Brauer-Bund (DBB) veranstalteten Videokonferenz ("Herbst-Camp") mit Brauern, Gastwirten, Verbandsvertretern und Händlern.

Zustimmung erfuhr Wagner u.a. von der Düsseldorfer Gastronomin Kerstin Rapp-Schwan, Vorstand im Leaders Club Deutschland. Auch sie riet angesichts der 75%-Zuschüsse des Bundes (hochgerechnet auf die Umsätze November 2019) dazu, von Klagen abzusehen. Auch René Kaplick, Gastro-Berater und Gründer der Berliner Gastro-Piraten, sieht die Unterstützungen durchwegs positiv. Allerdings zeige sich nun, welche Unternehmen in der Lage seien zu rechnen. Es gebe nachwievor zuviele "Hobbygastronomen", die keinerlei Rücklagen hätten. Kaplick rechnet damit, dass die Pleitewelle mit Eröffnung der 2020er-Bilanz im März 2021 beginnt und sich bis Ende 2022 hinziehen kann.

Katharina Kurz, CEO und Mitgründerin der Berliner Braurei BRLO, sieht mit dem Lockdown auch Brauer in der Pflicht, ihre Abhängigkeit vom Gastro-Geschäft langfristig zu reduzieren. Inwieweit Brauer und der Handel tatsächlich als indirekt Betroffene das Privileg staatlicher Zuschüsse genießen werden, ist indes noch immer ungewiss. Wie sich bei der von DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele und INSIDE-Herausgeber Niklas Other moderierten Runde herausstellte, dürften nur die wenigsten Lieferanten nachweisen können, dass sie mindestens 80 % ihres Umsatzes durch Geschäftsbeziehungen zu direkt vom Lockdown Betroffenen erzielen, um damit ebenfalls unterstützungsberechtigt zu sein. Das befürchtet auch GFGH-Verbandsschef Dirk Reinsberg. Er sieht den Gastro-lastigen Teil des Getränkehandels in schwerem Sturm -  ein Ende sei noch nicht abzusehen.

Dehoga-Präsident Guido Zöllick hat mittlerweile verkündet, dass bei aller Verzweiflung in der Branche 78,6 % der vom Dehoga befragten Betriebe angegeben hätten, die von der Regierung in Aussicht gestellten  Entschädigungszahlungen reichten aus, um den November zu überstehen. Er mahnte aber auch an, sie schnell und unbürokratisch auszuzahlen - wenn nötig bei weiteren Lockdowns auch über den November hinweg. 84,7 Prozent von über 8.00 befragten Gastro-Betrieben geben an, dass die geplanten einmaligen Entschädigungen nicht für eine längere Schließung über den November hinaus ausreichten.

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