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"Mageres Jahr" für Streuobst - Sonderweg Voelkel

Die Safthersteller erwarten vor allem bei Streuobst eine magere Ernte 2021. Bei konventioneller Ware gibt es in Polen gute Ernteprognosen. Die Jahresgespräche für das zweite wichtige Obst für den Saft, die Orange, sind derweil abgeschlossen – mit magerem Ergebnis.

Der Verband der Fruchtsaftindustrie (VdF) hat früh eine Prognose für Streuobst gewagt. Geschäftsführer Klaus Heitlinger prognostiziert 300.000 Tonnen. Im vergangenen Jahr waren um diese Zeit 850.000 Tonnen prognostiziert worden. Es gab auch Jahre mit noch höherer Ernte. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Ein Problem ist auch, dass die Nachfolgegeneration die Wiesen oft als Grundstücke verkauft. Der Markt wird enger.

Die Hassia-Tochter Rapps rechnet in der Region mit der traditionell größten Menge an regionalen Streuobst mit einem „mageren Jahr“. Rapps-Gf VolkerThoma sieht im Witterungsverlauf während der Blütezeit den wesentlichen Grund. Es gab zwar viele Blüten , aber sie wurden zu selten bestäubt. Ergebnis und Tenor aller Streuobstverarbeiter: Die Ernte wird unter unseren Erwartungen bleiben.

In diese Klage will der Bio-Safthersteller Voelkel nicht einstimmen, der versucht, sich dem Marktdruck zu entziehen und gleichzeitig die nötigen Mengen zu sichern. Der Biosafter traut sich was. Um den „Schweinezyklus“, also das Auf- und Ab der Preise je nach Ernte inklusive der „teils zynischen Marktmechanismen“, zu durchbrechen (schlechte Ernte, schnelles Ansteigen der Preise, gute Ernte mit purzelnden Preisen), versucht Voelkel mit eigenen Regeln eine andere Basis zu schaffen und eine eigene Welt zu kreieren: „Gesunde Lebensmittel aus gesunden Strukturen“. 

Voelkel kauft deshalb schon länger verlässlich von denselben Betrieben, so dass die „nicht dem Marktstress ausgesetzt sind“ und ihre Landwirtschaft besser und langfristiger über Generationen hinweg planen können. Kern des Ganzen sind antizyklische Preise. Wenn bei guter Ernte die Preise in den Keller gehen, zahlt Voelkel den Erzeugern mehr, gehen die Preise bei Knappheit durch die Decke, wird Voelkel dann im Gegenzug bevorzugt beliefert und wie die Firma sagt „mit moderaten Preisen bedacht“.  

Wenn ein Landwirt bei einer Obstsorte keine Ernte einfährt, wird für andere Früchte, die er hat, mehr gezahlt. 2019 hat Voelkel einen 20% höheren Preis im Vergleich zum Marktpreis gezahlt. 2020 war die Ernte weitestgehend gut, die Preise unter Druck. Die Mostereien waren optimistisch bei ihren Prognosen, was den Preisverfall noch anheizte. Die Folge war ein Preisrutsch in Süddeutschland. In Norddeutschland war es anders, da gab es genug Äpfel für ein stabiles Niveau zur Freude der Lieferanten. Für 2021 erwartet Voelkel „mit guten Mengen bedacht zu werden“. Und das zum „vernünftigen ruhigen Preisniveau“.

Voelkels Weg ist ein Versuch, Streuobstwiesen zu sichern und damit das eigene Kerngeschäft. Das funktioniert in der Nische. In der großen Volumenwelt des Saftes ist „Gewalt“ im System an der Tagesordnung. Was die Apfelernte betrifft, heißt es unisono auf Lieferantenseite „noch zu früh“. Die Kontrakte werden erst im Oktober/November verhandelt. In Polen soll die Ernte gut sein. Eine Prognose insgesamt wird noch nicht gewagt, die bestäubten Blüten offenbar noch nicht durchgezählt. 

Die Kontrakte für die zweite, wichtige Obstsorte Orangen, wurden gerade abgeschlossen. „Eigentlich“, sagt ein Lieferant, „hätten wir rund fünf Cent mehr gebraucht“. Ein kleiner Centbetrag soll es geworden sein, auch nicht überall. Aber immerhin, der Handel hat eine Preiserhöhung geschluckt. Ob und wie er die weitergibt, ist noch unklar. Alle schauen wie immer auf Aldi. Der Discounter gilt zumindest beim Setzen der Preise noch immer als gesetzt.       

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