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Glyphosat: Efsa muss Daten rausrücken

Ziemlich genau drei Jahre nach der Aufsehen erregenden Studie des Münchner Umweltinstituts zu Glyphosat-Spuren in deutschen Bieren (INSIDE 748: "Das Glyphosat-Attentat") haben die Richter der Europäischen Union heute ein möglicherweise sehr weitreichendes Urteil gefällt. Demnach muss die EU-Lebensmittelbehörde Efsa Studienergebnisse über das Krebsrisiko von Glyphosat öffentlich machen.

Bislang hatte die Efsa das mit Verweis auf den Schutz der finanziellen Interessen der Unternehmen, die die Studien vorgelegt hatten, abgelehnt – eine etwas krude Begründung, fanden jetzt offenbar auch die Richter. Zu den betroffenen Konzernen gehört auch die Firma Monsanto, die mittlerweile von Bayer übernommen wurde. Die Verbreitung der Informationen könne "ernsthaft die geschäftlichen und finanziellen Interessen der Unternehmen beeinträchtigen, die die Studienberichte vorgelegt hätten", hatte die Efsa laut einer heute veröffentlichten Zusammenfassung des Urteils argumentiert; zudem "bestehe kein überwiegendes öffentliches Interesse an der Verbreitung". Das sahen die Richter anders. Die Öffentlichkeit müsse Zugang nicht nur zu den Informationen über die Emissionen als solche haben, sondern auch "zu den Informationen über die mehr oder weniger langfristigen Folgen dieser Emissionen für den Zustand der Umwelt wie z.B. die Auswirkungen dieser Emissionen auf die nicht zur Zielgruppe gehörenden Organismen."

Die Efsa, die u.a. von vier grünen Europaparlamentariern verklagt worden war, kann gegen das Urteil nun noch innerhalb von zwei Monaten beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgehen.

Delikat ist die Sache auch deshalb, weil Glyphosat 2017 in der EU auch aufgrund positiver Rückmeldung der Efsa ("wahrscheinlich nicht krebserregend") für weitere fünf Jahre zugelassen wurde. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hatte Glyphosat dagegen schon 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen eingestuft.

Im Februar 2016 hatte eine Studie des Umweltinstituts München in Sachen Glyphosat Rückstände im Bier gefunden. Die Forscher in Diensten des unabhängigen Vereins hatten die 14 meistgetrunkenen Biere Deutschlands auf Rückstände des Pestizids getestet - und waren demnach bei allen Bieren fündig geworden. Die bisweilen hohen Werte wurden allerdings just kurz vor Beratungen auf EU-Ebene über die Wiederzulassung von Glyphosat bekannt. Das Bundesamt für Risikobewertung postulierte dann prompt, ein Erwachsener müsste am Tag 1.000 Liter Bier trinken, um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen. Ein Jahr nach der ersten Testreihe des Umweltinstituts wies eine zweite Untersuchung weit geringere Mengen an Glyphosat in Bieren aus.

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